Zur Hauptnavigation wechseln Zur Suche wechseln Zum Hauptinhalt wechseln

Die Regulierung des Trusts in der Schweiz, de lege lata – de lege ferenda

Publikation: Buch/BerichtBuchBegutachtung

Abstract

Der Trust hat Wurzeln im römischen Recht und ist heute ein vor allem in angelsächsischen Rechtsordnungen verbreitetes Institut; genutzt wird er insbesondere zur Vermögensstrukturierung und Nachlassplanung. Eine allgemeingültige Defi-nition für den «Trust» existiert nicht, was unter anderem seinen mannigfaltigen Ausprägungsformen zuzuschreiben ist. Genau diese Flexibilität ist Teil seines Erfolgsrezepts. Kennzeichnend für alle Trustverhältnisse ist das Dreiecksverhältnis zwischen Settlor – Trustee – Beneficiary. Ergänzen und individualisieren lässt er sich durch zusätzliche Elemente und Dokumente. Im Common Law-Rechtsraum findet der Trust in verschiedensten Lebensbereichen Anwendung, insbesondere in der Vermögensstrukturierung und Nachlassplanung. Seit einiger Zeit vermag der Trust auch in Civil Law-Rechtsordnungen Interesse zu wecken; das Fürstentum Liechtenstein kennt bereits seit fast 100 Jahren als einziges kontinentaleuropäisches Land ein umfassendes materielles Trustrecht. In der Schweiz existiert derzeit kein materielles Trustrecht. Durch die Ratifizierung des Haager Übereinkommens über das auf Trusts anzuwendende Recht und über ihre Anerkennung sind aber Trusts und Trustees in der Schweiz wirtschaftli-che und rechtliche Realität. Nun sind Bestrebungen auszumachen, in der Schweiz den Trust materiell-rechtlich zu regeln. Ein konkreter Gesetzesvorschlag liegt bereits vor und wurde im Frühling 2022 in die Vernehmlassung geschickt. Die heute in der Schweiz zur Vermögensstrukturierung und Nachlassplanung vorhandenen Instrumente sind unzureichend, wie vorliegende Arbeit aufzuzeigen vermag; vielfach wird deshalb auf ausländische Rechtsordnungen ausgewichen. Ein materiell-rechtlich geregelter Trust könnte diese Lücke in der Schweizer Rechtsordnung füllen und vorhandene Bedürfnisse befriedigen. Die Einführung eines Trusts bedarf insbesondere hinsichtlich Transparenz begleitender Massnahmen, um Missbrauch zu verhindern und mit den internationalen Entwicklungen Schritt zu halten. Die Schweiz als bekannter Stiftungsort verfügt über eine kaum genutzte Spezialform der Stiftung: die sogenannte Familienstiftung. Diese ist in ihren Zwecken derart begrenzt, dass sie zur Vermögensstrukturierung und Nachlassplanung unattraktiv ist. Auch die Öffnung der Auszahlungszwecke von Familienstiftungen könnte die angesprochene Lücke schliessen.
The trust has its roots in Roman law and is, especially in Anglo-Saxon legal systems, a widespread institution today. It is particularly used for asset structuring and estate planning. There is no generally accepted definition of the trust, which is partly due to its many different forms. It is precisely this flexibility that is part of its recipe for success. Characteristic for all trust relationships is the triangular relationship between settlor – trustee – beneficiary. It can be supplemented and individualized by additional elements and documents. In the common law area, the trust is used in various areas of life, especially in asset structuring and estate planning. For some time now, the trust has also been attracting interest in civil law jurisdictions; the Principality of Liechtenstein has been the only continental European country with a comprehensive substantive trust law for almost 100 years. In Switzerland, there is currently no substantive trust law. However, through the ratification of the Hague Convention on the Law Applicable to Trusts and on their Recognition, trusts and trustees are an economic and legal reality in Switzerland. Efforts are now being made to regulate trusts under substantive law in Switzerland. A concrete legislative proposal already exists and was sent for consultation in spring 2022. The instruments currently available in Switzerland for asset structuring and estate planning are inadequate, as this paper is able to show; in many cases, therefore, recourse is made to foreign legal systems. A trust regulated by substantive law could fill this gap in the Swiss legal system and satisfy existing needs. The introduction of a trust requires accompanying measures, especially with regard to transparency, in order to prevent abuse and to keep pace with international devel-opments. Switzerland as a well-known foundation location has a hardly used special form of foundation: the so-called family foundation. The limited purposes of the family foundation render it unattractive for asset structuring and estate planning. Opening up the disbursement purposes of family foundations could also close the aforementioned gap.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortSt.Gallen
Seitenumfang252
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2024

Schlagwörter

  • Trust; Fürstentum Liechtenstein; Stiftung; Familienstiftung; Nacherbeneinsetzung; Treuhand; Fideikommiss; Familienfideikommiss; Familienkisten; Trust in der Schweiz; Nachfolgeregelung; Vermögensverwaltung; Vermögenssicherung; Geldwäscherei; Transparenz
  • Trust; Principality of Liechtenstein; Foundation; Family foundation; Appointment of heirs; Fiduciary; Fideicommissary; Family fideicommissary; Family trusts; Trust in Switzerland; Succession planning; Asset management; Asset protection; Money laundering; Transparency

Dieses zitieren